Stadtbad "Auf der Bleiche"

Verantwortlich für den Bau des Stadtbades Auf der Bleiche war die Barmer Badeanstalt AG, die auch schon die Bäder „Kleine Flurstraße“ und „Kurbad“ errichtet hatte. Am 9.3.1905 beschloss die Generalversammlung den Ankauf des notwendigen Grundstückes an der Remscheider Straße, heute Auf der Bleiche. Die Ausführung des Baus in den Jahren 1906-1908 lag in den Händen des Stadtbauinspektors Freygang, der dabei durch Stadtbaurat Winchenbach und Architekt Dicke unterstützt wurde. Die feierliche Einweihung fand mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Stadtverwaltung, Vereinen und Bürgerschaft am 14. Juni 1908 statt. Anlässlich dieser Feier wurde dem Vorsitzenden der Barmer Badeanstalt AG Mühlinghaus vom Beigeordneten Dr. Hartmann der ihm von Kaiser Wilhelm zuerkannte Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Die ersten Betriebsjahre ließen sich gut an, doch schon bald setzte der 1. Weltkrieg dieser Blüte ein Ende. Die Verteuerung alter Betriebsmittel führte dazu, dass die Bäder unrentabel wurden. Deshalb übertrug die Barmer Badeanstalt AG am 14. Januar 1918 ihr gesamtes Vermögen und damit auch das Stadtbad Auf der Bleiche auf die Stadt Barmen.

Ein aus heutiger Sicht kurioses Problem beschäftigte 1929 die Heckinghauser und den Bezirksverein. Es wurde ein Familienbad eingerichtet und die strikte Trennung in Herren- und Damenbad aufgegeben, wogegen der Bezirksverein opponierte. Offenbar befürchtete man davon Gefahren für Sittlichkeit und Moral.

Der 2. Weltkrieg hinterließ auch beim Stadtbad Bleiche seine Spuren. Zwar überstand es den großen Barmer Angriff von 1943, doch bei einem späteren Bombenangriff am 13. März 1945 wurde die Herrenschwimmhalle schwer getroffen und lag bis zum Ende verwüstet. Nach dem Krieg wurde lediglich ein Notdach auf die stehen gebliebenen Außenwände aufgesetzt. Als Bad diente fortan nur noch das ehemalige Damenbad.

Das Stadtbad „Auf der Bleiche“ um 1977

In den 50-er Jahren wurde der Eingangsbereich umgestaltet und der Treppenaufgang von außen nach innen verlegt. Ebenfalls in den 50-er Jahren forderten die Heckinghauser unter Führung des Bezirksvereins zunächst die Wiederherrichtung des Herrenbades; seit den 60-er Jahren gab es Pläne zum Um- und Ausbau zu einer Mehrzweckhalle, die aber 1993 endgültig zu Grabe getragen werden konnten.

Eine Aufwertung erfuhr das Bad, als am 7.2.1987 die beiden Mehrzweckräume im Bereich der ehemaligen Wannenstation ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. Schon im Januar 1987 richtete der Bezirksverein dort seine Geschäftsstelle ein. Bald darauf erfolgte der Umbau des Kassenbereichs, wo nun auch eine Cafeteria entstand.

Mit Bescheid vom 22.7.1992 wurde das Bad in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal eingetragen und steht damit unter Denkmalschutz. Im Dezember 1992 schlug dann wie eine Bombe die Nachricht von der beabsichtigten Schließung des Bades ein.

Am 30. Juni 1993 kam dann das Ende. Als Zukunftsangebot für die Heckinghauser standen vor dem Bad drei verschiedene kleine Blechwannen für Fuß-, Sitz- und Liegebäder. Auf der Preistafel stand zu lesen, dass die für die Schließung verantwortlichen Politiker in der Wupper baden sollten.


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Autor: Gerhard Dabringhausen

Quelle: Jahrbuch 1993/94, Seiten: 77, 79