Heckinghauser Bleicher

Vor 400 Jahren - Bei den Heckinghauser Bleichern

1608 ist für die, die sich mit der Heckinghauser Geschichte befassen, eine wichtiges Jahr. Für die Wirtschaft im Wuppertal war über Jahrhunderte die Garnbleicherei von besonderer Bedeutung. Die Bewohner des Bergischen Landes hatten hierin eine Monopolstellung durch das Privileg der Garnnahrung (siehe Jahrbuch 2004/05). Aufgrund des Barmer Garnmeisterumgangs von 1608 sind die Namen der Heckinghauser Bleicher aus dieser Zeit überliefert. Zugleich wurde 1608 das älteste heute noch existierende Haus in Heckinghausen erbaut.

Die Heckinghauser Bleicher

Es war eine erste große Blütezeit der Garnbleicherei. Dank der Umgänge der Garnmeister in Elberfeld (1606) und Barmen (1608) sind wir über das Ausmaß dieses damals wichtigsten Gewerbezweiges sehr genau informiert. „Elverfeldt“ zählte 33 Bleicher, Barmen sogar 77. Damit sind die selbständigen Bleicher gemeint, nicht die Bleicherknechte und solche, die bei einem dieser Garngenossen bleichten oder bleichen ließen. Für Heckinghausen sind genannt :

-     Peter uff dem Over (Ufer). Dieses Ufer lag an der Südseite eines Baches oder     Nebenarmes der Wupper, der von der Bleiche zum Wupperfeld führte, etwa zwischen     Hunsrück- und Schnurstraße. Peter bleichte für sich selbst 3 Zentner Garn, dazu 63     Zentner für andere, darunter Peter von Heckinckhußen der Pelser mit 5 ½ Zentner.
-    Leysken uff dem Clieff (Clef) 49 ½ Zentner
    davon 1 ½ für dat „mentgen (Männchen) zu Heckickhusen“ und weitere 1 ½ Zentner     grobes Garn für „Peter Swarte (Schwarz) zu Heckinckhusen“, der auch selbst Bleicher     war (s.u.).
-    Johann von der Buckmulen (Bockmühl) uff Blech (Bleiche) 48 Zentner, davon für sich     selbst 14 Zentner feines und 2 Zentner grobes Garn
-    Wimber Schröder von Wichelhausen uff der Rosenaw (Rosenau) 56 Zentner, davon 6     für sich selbst. Wimber Schröder war wohl Wichlinghauser, wie nicht nur sein Name     vermuten läßt sondern auch die Tatsache, daß er für verschiedene Wichlinghauser     bleichte. Seine Bleiche befand sich aber auf der Rosenau, die damals noch zu     Heckinghausen gehörte und zwischen Wupper und dem o.g. Bach von der Bleiche zum     Wupperfeld lag.
-    Hinrich Jaspers (Kaspars) Sohn (sein Vater Jasper war Bleicher auf dem Clef im Heidt)     uff dem Clieff uff der Rosenaw. Hinrich bleichte 42 Zentner, davon 2 Zentner grobes     Garn für sich selbst.
-    Jasper uff der Rosenaw 56 Zentner, davon 2 Zentner für sich selbst.
-    Johan Hechelkaußen 46 Zentner, davon 13 für sich selbst
-    Peter Swart tot Hechelkaußen (Peter Schwarz zu Heckinghausen) 53 Zentner, davon     12 für sich selbst. Es war der o.g., der weitere 1 ½ Zentner bei Leysken auf dem Clef     bleichen ließ.
-    Jasper auff Eickelkamp 32,86 Zentner, davon 8 für sich selbst
-    Johann Husser tot Hechinckhusen 74 ½ sowie 0,62 Zentner. Davon entfielen 16     Zentner auf ihn selbst, 1 Zentner auf seine Magd Ursel, ½ Zentner auf seine Magd     Steintgen und 4 Zentner auf seinen Sohn Peter. Dieser ist 1615 als Peter Hustert zu     Heckinghausen einer der Barmer Garnmeister. Johann Husser selbst war von 1597 bis     1605 einer der damals zwei Gemeindevorsteher von Barmen.
-    Johan Schroier zu Hechlingkausen 48 ½ und 0,7 Zentner, davon 7 für sich selbst
-    Hans tor Bockmulen bleichte 46 Zentner, davon 10 Zentner von Jasper Rittershaußen,     bei dem es sich wahrscheinlich um seinen Bruder handelt. Beide waren 1602 als     Garnschmuggler aufgefallen (siehe Jahrbuch 2002/03).
-    Jasper von der Bockmölen vor dem Hechelkuser Brugel 54 ½ Zentner, davon 20     Zentner feines und 4 Zentner grobes Garn für sich selbst. Da Brugel Brücke bedeutet,     ist dies nach einer nicht ganz zweifelsfreien Erwähnung in einer Steuerliste von 1591     der    älteste gesicherte Hinweis auf eine Wupperbrücke in Heckinghausen. Es wird wohl     nur ein hölzerner Steg für Fußgänger gewesen sein. Der    Standort des Steges ist an der     alten Wupperfurt anzunehmen, also dort, wo später die Alte Heckinghauser Brücke     entstand. Die Gegend hieß seitdem „Heckinghauser Brögel“ (siehe Jahrbuch 2000/01).


In Elberfeld wurden damals rund 1500 Zentner Garn gebleicht, in Barmen 4905 Zentner. Davon entfielen reichlich 674 Zentner auf Heckinghausen, das sind rund 13,5 % des Barmer Anteils. Die Heckinghauser Bleichen, an die sich die Heidter Bleichen nahtlos anschlossen, gehörten damit zu den größten im Tal.

Sichtbare Spuren sind aus dieser großen Zeit der Heckinghauser Bleicher heute nicht mehr erhalten. In den Barmer Anlagen stand bis in die Nachkriegszeit ein großer Garnkasten, der in den 1870er Jahren vom Barmer Verschönerungsverein von der Rosenau, wo er dem Eisenbahnbau zum Opfer zu fallen drohte, zum oberen Ringeltal versetzt wurde. Er soll am Ende des 16. Jahrhunderts erbaut worden sein und wäre deshalb ein Zeugnis des Bleicherhandwerks in Heckinghausen zur Zeit der Garnmeisterumgänge gewesen. Leider ist dieser Garnkasten - wie so manches - in der Kriegs- und Nachkriegszeit verrottet und mutwillig demoliert worden, so daß er schließlich abgerissen werden mußte.

Das Haus Spiekerstr 12a

Das Haus Spiekerstraße 12 A wurde 1608 von Hans Heckhaus (Heckinghaus) erbaut. Es ist ein schönes altes Fachwerkhaus. Jedes der drei niedrigen Stockwerke überragt das darunter liegende ein wenig. An der linken Ecke ist in ungefähr 1 m Höhe ein Ornament in den Balken geschnitzt. Um das Lehmfachwerk vor nassem Wetter zu schützen, waren Süd- und Westseite mit einer Holzschindelverkleidung versehen. Mit steigendem Wohlstand konnten die Schindeln durch eine Verschieferung ersetzt werden, die auch heute noch vorhanden ist. Früher besaß das alte Gehöft an einer Seite ein Dach, das fast bis zum Erdboden heruntergezogen war. Im 18. Jahrhundert wurde an der Nordseite ein Anbau in Fachwerkkonstruktion angefügt. Sein Satteldach stößt im rechten Winkel auf das Dach des Hauptgebäudes.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hing neben der Tür eine Hausinschrift mit dem einst in Deutschland weit verbreiteten Spruch:
                                              „Ich hab gebauet,
                                               auf Gott vertrauet.
                                               Wer Gott vertrauet,
                                               hat wohl gebauet.
                                               Anno 1608,  „Hanss Heckhaus“

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Gerhard Dabringhausen

Quelle:
Jahrbuch: 08/09, Seiten: 82,83,84